Wer über 190 cm misst, kennt das Spiel. Die Standardwanne sieht groß aus. Bis Sie drinliegen. Dann schauen die Knie raus, die Schultern frieren und Sie rutschen langsam Richtung Ablauf.
Das Problem sind nicht Ihre Beine. Es sind alte Normen. Die klassische Wanne misst 170 × 75 cm. Das passt gut bis etwa 175 cm Körpergröße. Darüber wird es eng. Sehr eng.
Wenn Sie wirklich entspannen wollen, brauchen Sie mehr als nur „ein bisschen länger“. Es geht um Proportionen. Innenmaß. Tiefe. Form. Technik. Und manchmal auch um die Statik des Hauses.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Standardwannen einfach nicht reichen
- Das Knickmaß: Der kleine Trick mit großer Wirkung
- Ab wann wird es komfortabel?
- Welche Form passt am besten?
- Material: Warm, robust oder beides?
- Drei Modelle, die große Menschen ernst nehmen
- Technik nicht vergessen: Warmwasser und Gewicht
- 5 cm, die alles ändern können
- Probeliegen ist kein Luxus
- Was Sie mindestens einplanen sollten
Warum Standardwannen einfach nicht reichen
Ein Vollbad bedeutet: Der Körper liegt ruhig im Wasser. Schultern sind bedeckt. Die Beine können ausgestreckt werden. Der Rücken entspannt.
In einer 170er-Wanne funktioniert das bei 190 cm Körpergröße nicht. Die reale Innenlänge ist deutlich kürzer als das Außenmaß. Rückenlehne und Wandstärke kosten Platz. Oft bleiben nur rund 115 bis 120 cm Bodenlänge.
Das Ergebnis:
Sie sitzen halb im Wasser.
Oder Sie winkeln die Beine an.
Oder Sie rutschen langsam nach unten.
Das hat mit Entspannung wenig zu tun.
Das Knickmaß: Der kleine Trick mit großer Wirkung
In der Fachplanung gibt es einen Begriff, der wirklich hilft: das Knickmaß.
Gemeint ist die Strecke von der Schulter bis zur Fußsohle, wenn Sie entspannt in der Wanne liegen. Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Oberkörper und Beinlänge.
Für Menschen über 190 cm gilt als Faustregel:
Die Innen-Bodenlänge sollte mindestens 125 bis 140 cm betragen.
Wichtig: Fragen Sie im Handel gezielt nach dem Innenmaß. Das Außenmaß allein sagt wenig.
Und noch etwas: Ist die Wanne zu lang, fehlt der Halt an den Füßen. Dann rutschen Sie nach unten. Besonders schlanke große Männer kennen dieses Problem.
Ab wann wird es komfortabel?
Als Orientierung:
| Außenlänge | Für > 190 cm geeignet? |
| 180 cm | Eher knapp |
| 190 cm | Gut |
| 200 cm | Sehr gut |
| 210 cm | Spezialmaß |
Ab 200 cm Außenlänge beginnt echter Komfort. Kombiniert mit 90 oder 100 cm Breite entsteht spürbar mehr Bewegungsfreiheit.
Die Breite wird oft unterschätzt. 100 cm machen einen deutlichen Unterschied. Die Arme liegen nicht mehr eingeklemmt am Körper.
Welche Form passt am besten?
Die klassische Rechteckwanne
In 200 cm Länge ist sie eine solide Lösung. Achten Sie auf eine nicht zu steile Rückenlehne. Sonst verlieren Sie wertvolle Innenlänge.
Duo-Wannen: Mehr Freiheit durch Symmetrie
Duo-Wannen haben zwei identische Rückenschrägen und einen Ablauf in der Mitte. Ursprünglich fürs Baden zu zweit gedacht.
Für große Einzelpersonen sind sie oft ideal. Sie können sich in beide Richtungen anlehnen. Der Ablauf stört nicht unter dem Rücken. Und Ihre Füße blockieren nichts.
Eck- und Großraumwannen
Große Eckmodelle mit 150 × 150 cm oder asymmetrische Varianten bieten enorme Liegelängen über die Diagonale. Hier entsteht richtig Raum.
Allerdings steigt das Wasservolumen schnell auf 300 Liter und mehr. Das sollte technisch eingeplant sein.
Material: Warm, robust oder beides?
Bei XXL-Wannen geht es nicht nur um Optik.
Stahl-Emaille
Hersteller wie Kaldewei oder Bette setzen auf glasierte Titan-Stahl-Emaille.
Das Material ist extrem robust. Es bleibt formstabil, auch wenn viel Wasser eingefüllt wird. Eine 200-cm-Wanne bringt leer schon 60 bis 70 kg auf die Waage.
Mit Wasser und Person liegen Sie schnell bei über 400 kg Gesamtgewicht.
Acryl
Acryl ist leichter und fühlt sich wärmer an. Es isoliert besser. Dafür ist es empfindlicher gegenüber Kratzern.
Quaryl
Villeroy & Boch kombiniert bei Quaryl Quarz und Acrylharz. Das erlaubt schmale Ränder und mehr Innenraum bei gleichem Außenmaß.
Gerade bei 190 cm Körpergröße kann das den Unterschied machen.
Drei Modelle, die große Menschen ernst nehmen
Kaldewei Conoduo 735
200 × 100 cm.
Innenboden rund 134 cm.
Nutzinhalt etwa 260 Liter.
Hier können selbst 195 cm große Männer die Beine fast vollständig strecken. Die 100 cm Breite sorgen für Luft an den Seiten.
BetteOne Relax
200 × 90 cm.
Tiefe 45 cm.
Sehr ausgeprägte Rückenschräge.
Die größere Tiefe hilft, Schultern komplett unter Wasser zu bringen.
Squaro Edge 12
190 × 90 cm.
Extrem schmaler Rand.
Viel Innenraum trotz kürzerem Außenmaß.
Für 190 cm Körpergröße passt das gut. Ab 195 cm wird es grenzwertig.
Technik nicht vergessen: Warmwasser und Gewicht
Eine große Wanne braucht viel warmes Wasser. Ein 160-Liter-Speicher reicht meist gerade für eine Füllung. Danach ist Pause.
Wenn Sie regelmäßig baden, sind 300 Liter Speichervolumen sinnvoll. Alternativ ein leistungsstarker Durchlauferhitzer über 21 kW.
Auch die Statik sollte passen. Bei Altbauten mit Holzbalkendecken lohnt ein Blick in die Bauunterlagen oder ein Gespräch mit einem Fachbetrieb.
5 cm, die alles ändern können
Viele große Männer berichten: „Eigentlich passt die Wanne. Aber die Schultern bleiben trocken.“
Oft liegt das am Überlauf. Systeme wie das „Multiplex Trio“ von Viega ermöglichen eine Wasserstandserhöhung um rund 5 cm.
Diese 5 cm entscheiden, ob Sie nur sitzen oder wirklich eintauchen.
Probeliegen ist kein Luxus
Wenn Sie 190 cm oder größer sind, sollten Sie nicht blind bestellen.
Showrooms bieten die Möglichkeit, verschiedene Modelle zu testen.
Legen Sie sich hinein. Strecken Sie die Beine. Prüfen Sie:
- Finden Ihre Füße Halt?
- Bleiben die Schultern unter Wasser?
- Rutschen Sie nach unten?
Erst wenn sich das gut anfühlt, passt die Wanne wirklich.
Was Sie mindestens einplanen sollten
Für große Menschen ab 190 cm gilt:
- Außenlänge mindestens 190 cm, besser 200 cm
- Innen-Bodenlänge 125 bis 140 cm
- Innentiefe mindestens 45 cm
- Breite 90 bis 100 cm
- Warmwasser-Kapazität prüfen
Alles darunter ist meist ein Kompromiss.
