Im Urlaub bin ich eine echte Leseratte und lese im Schnitt fast ein Buch pro Tag. Während meines letzten Fuerteventura-Trips habe ich einen ganz neuen Autor und eine besonders lesenswerte Buchreihe für mich entdeckt. Benjamin Cors heißt der Schriftsteller und Nicolas Guerlain die Hauptfigur. Vier Bücher gibt es mittlerweile aus der Reihe – sie möchte ich hier einmal etwas näher vorstellen.

Anders als bei anderen Krimiserien, ist es hier besonders wichtig, die richtige Reihenfolge der Bücher einzuhalten: Strandgut – Küstenstrich – Gezeitenspiel – Leuchtfeuer. Zusätzlich zu den abgeschlossenen Handlungen jedes Buches durchzieht sich nämlich noch eine Lebensgeschichte – schon fast ein Lebensdrama – durch alle Folgen.

Und die ist so spannend, dass ich nach den ersten beiden Büchern, die ich ursprünglich gekauft hatte, unbedingt noch die beiden anderen Folgen während meines Urlaubs lesen musste. Zum Glück kein Problem mehr in Zeiten von WLAN und e-Books.

Band 1: Strandgut

Nicolas Guerlain ist Personenschützer im Dienste von Frankreich. Und ist anfangs ziemlich von der Rolle, denn seine Lebensgefährtin Julie ist vor über drei Jahren während eines Theaterbesuchs spurlos verschwunden. Daran hat er immer noch zu knabbern, zumal er bei seinen Nachforschungen nicht wirklich weiterkommt.

Während der Filmfestspiele in Cannes glaubt er seine Freundin wieder zu sehen. Und macht daraufhin einen folgenschweren Fehler, bei dem sein Schutzbefohlener, ein französischer Minister, von ihm verletzt wird – schön für alle Welt dabei gefilmt und fotografiert.

Seine Rolle als Bodyguard (diesen Begriff mag er gar nicht leiden) ist Nicolas Guerlain daraufhin erst einmal los. Er wird erst einmal in die Provinz verbannt, um der örtlichen Polizei bei der Vorbereitung eines Staatsgipfels zu helfen. Aber erst einmal findet er eine abgetrennte Hand am Strand…

Nebenbei gibt es immer wieder Rückblenden ins Jahr 1967, die erst einmal nicht so richtig ins Bild passen wollen. Erst gegen Ende setzt sich das Puzzle zusammen. Zumal es noch einige andere Handlungsstränge gibt, die zunächst nichts miteinander zu tun haben scheinen.

Die Arbeit als Personenschützer ruht – doch auch als Ermittler macht sich Nicolas sehr gut. Auch wenn es anfangs nicht den Anschein macht. Die Praktikantin Claire Cantalle ist ihm dabei eine wichtige Hilfe. So ist der Fall am Ende geklärt, die übergeordnete Handlung rund um Julie und ihr Verschwinden bleibt jedoch offen. In guter Hoffnung las ich daher Band 2.

Band 2: Küstenstrich

Nach wie vor ist Nicolas vom Dienst suspendiert. Ein Psychotherapeut soll ihm dabei helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Doch wie soll das gehen, wo doch seine Lebensgefährtin Julie nach wie vor nicht wieder bei ihm ist?

Um ihm wieder ein wenig in die Rolle des Personenschützers zu schieben, schickt ihn sein Chef nochmals in seine Heimat – der Normandie. Dort wird der Comte Aristide de Tancarville bedroht – Nicolas Guerlain soll ihn beschützen. Ein Adliger, wie er im Buche steht. Mit einem Sohn, der bereits vor vielen Jahren mit Nicolas aneinandergeraten war.

Wie auch im Band 1 gibt es auch im zweiten Band der Serie mehrere Handlungsstränge. Ein Hauptthema ist die aktuelle Flüchtlingskrise. Ganz am Anfang wird das Flüchtlingslager in Calais platt gemacht und zwei afghanische Mädchen träumen vom Piccadilly Circus. Die Mädchen spielen später noch eine wichtige Rolle, wurden sie doch Opfer eines Mädchenhändlerrings.

Am Ende lüftet Nicolas – wieder im Zusammenspiel mit Claire Cantalle – das Geheimnis um den Mädchenhändlerring und löst nebenbei noch den einen oder anderen Mord. Die Geschichte mit Julie ist aber immer noch nicht zu Ende.

Immerhin wissen wir inzwischen, dass sie lebt und dass der Vater von Nicolas Guerlain irgendwie mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Und der ist Chef des französischen Geheimdienstes. Ihm war der Staat schon immer wichtiger als seine Familie. Dementsprechend Komplex ist das Verhältnis zu seinem Sohn.

Band 3: Gezeitenspiel

Im dritten Band der Nicolas-Guerlain-Reihe ist die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 das Hauptthema. Der sogenannte D-Day bedeutete den Wendepunkt des Zweiten Weltkrieg und läutete das Ende des Hitler-Regimes ein. Dementsprechend groß sind die Feierlichkeiten.

Ein durchgeknallter rechter Politiker hat ausgerechnet für die Feierlichkeiten zum siebzigsten Jahrestag einen Anschlag angekündigt. Er will damit beweisen, dass die französische Regierung nicht mehr in der Lage ist, sein Volk zu beschützen.

Er hat dies bereits vor vier Jahren dem Chef des französischen Geheimdienstes unter vier Augen angekündigt. Wir erinnern und – das ist der Vater unserer Hauptfigur Nicolas Guerlain. Um zu erfahren, wie das geschehen soll, hat dieser Julie als Lockvogel genutzt. Sie hat es geschafft (zumindest scheint es anfangs so) eine Liaison mit dem Politiker einzugehen. Aber brauchbare Hinweise hat sie bislang noch keine gegeben.

Die Lebensgefährtin von Nicolas ist also endlich wiederaufgetaucht. Doch immer noch unendlich fern. Denn noch ist nicht klar, ob sie übergelaufen ist oder immer noch auf der Seite des Staates und ihres Lebensgefährten steht. Warum hat Sie sich nur nie bei Nicolas gemeldet?

Letztlich können die Anschläge nicht wirklich verhindert werden, aber es gelingt immerhin, dass es dabei ohne größere Personenschäden abläuft. Die Politiker bleiben alle unversehrt. Nicolas‘ Vater muss dennoch seinen Posten als Geheimdienstchef räumen. Und als ich schon glaubte, dass Happy End sei nah, wird Julie des Mordes angeklagt. Warum das so ist, interessierte mich brennend. Und so kaufte ich noch den vierten Band.

Band 4: Leuchtfeuer

In der Hauptgeschichte des vierten Bandes geht es um einen alten Fluch. Ein junger Kerl hat ihn über ein kleines Dorf verhängt. Lange Jahre passierte nichts, doch dann war der Erste tot, bald darauf der nächste. Jetzt treten Nicolas Guerlain und die ehemalige Praktikant Claire auf den Plan, die inzwischen eine Ausbildung bei der Polizei begonnen hat.

Was war der Auslöser für die Morde und wer muss noch dran glauben? Auch hier schafft es Benjamin Cors wieder, der Handlung zahlreiche überraschende Wendungen zu geben. Am Ende waren die Mörder gar nicht so böse, wie man es lange Zeit vermutet hatte.

Die Bösen waren vielmehr diejenigen, die geschwiegen haben, als vor 20 Jahren Minderjährige sexuell missbraucht wurden. Die haben sich Jahre später dafür gerächt und ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken versetzt. Fast möchte man denken: „Das haben sie auch verdient“.

Die Geschichte mit Julie geht nebenbei in die heiße Phase. Die Lebensgefährtin steht kurz davor, als Mörderin verhaftet zu werden. Schafft Nicolas es noch rechtzeitig, die Verdachtsmomente auszuräumen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Es stellt sich heraus, dass der Vater von Nicolas der Strippenzieher für die Mordanklage ist. Er sagt sogar vor Gericht zuungunsten seines Sohnes und dessen Lebensgefährtin aus. Nicolas stellt ihm mit Hilfe seiner Mutter eine Falle und so muss der Vater seine Falschaussage vor Gericht zurückziehen – Julie ist frei.

Doch noch gibt Nicolas‘ Vater nicht auf – scheinbar hat er noch ein paar Trümpfe in der Hinterhand. Die Auflösung erfolgt dann wahrscheinlich im fünften Teil der Serie. Der hoffentlich bald erscheint.

Vorläufiges Fazit:

Selten hat mich eine Krimireihe so gefesselt wie die Geschichte um Nicolas Guerlain. Anfangs scheint alles irgendwie verwirrend zu sein, es lohnt sich jedoch dranzubleiben. Es ist faszinierend zu erleben, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge am Ende zu einem Netz verbinden. Irgendwie ist man Benjamin Cors natürlich etwas böse, dass am Ende nicht alles aufgelöst wird, doch steigert dies doch stets die Vorfreude auf das jeweils nächste Buch.

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